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Geisterstadt Wuhan: Chinas Kampf gegen das Coronavirus
05 Mar 2020
Geisterstadt Wuhan: Chinas Kampf gegen das Coronavirus
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Die Humanisten gegen Artikel 13:

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Mark Simon, Landesvorstandsvorsitzender der Partei der Humanisten Baden-Württemberg, hält auf der Artikel-13-Demonstration in Stuttgart am 23. März 2019 ein flammendes Plädoyer für Freiheit im Internet und gegen die geplante Form der Urheberrechtsreform.

Die (fast) komplette Rede:

Ich bin mit dem Internet aufgewachsen. Und ich blicke hier in hunderte Gesichter von Leuten, denen es genauso geht. Für uns alle ist das Internet kein Neuland, sondern ganz im Gegenteil ein integraler Bestandteil unserer Kultur, ja unserer Identität. Und diese, unsere ganz persönliche Kultur und Identität basiert nun einmal auf Interaktion, der freien Auseinandersetzung mit kreativen Inhalten. Das Internet ist keine Einbahnstraße über die kreative Inhalte verteilt werden, sondern die kreativen Inhalte entstehen vielmehr erst durch den Austausch und Interaktion in alle Richtungen.

Ja, das Internet hat dazu geführt, dass kreative Prozesse heute zunehmend anders ablaufen als noch vor zwanzig Jahren. Dem hat die Gesetzgebung Rechnung zu tragen. Stattdessen erleben wir aber ein stupides Anwenden altgewohnter Mechanismen des Urheberrechts, so als ob im Internet nur die prominenten Stars auf einer Art Bühne stehen würden und das zahlende Publikum auf der anderen Seite der Leitung einfach nur stupide die Inhalte rezipieren würde. Das ist eine Gedankenwelt von gestern. Es ist eine Gedankenwelt von Leuten, die das Internet immer noch als “Neuland” sehen.

Und eine solche Gedankenwelt lehnen wir von der Partei der Humanisten grundlegend ab. Sie entspricht in keinster Weise einer modernen Politik, wie wir sie im 21. Jahrhundert so dringend nötig haben. Wir von den Humanisten sehen das Internet als eine Plattform der Interaktion und einer sich ständig wandelnden Kultur, durch die Menschen selbst.
Diese top-down-Mentalität ist der heutigen Welt nicht mehr angemessen, in der zum Beispiel Kunstkritik nur im Feuilleton stattfindet. Das Internet bietet jedem eine Plattform – ich selbst sehe zum Beispiel gerne Reviews über Filme und Serien, wie es sie auf Youtube zu tausenden gibt– so etwas funktioniert nur über Film-Ausschnitte, egal wie viel eigene Arbeit die interpretierende Person hineinsteckt.
Bewirbt diese Arbeit nicht auch die Künstler und unterstützt sie damit? Ich will den Zugang zur kreativen Arbeit anderer, die sie teilen möchten, erhalten!

Ich selbst betätige mich künstlerisch und produziere gerne Musik – Wenn ich auf Soundcloud einen Track oder gar Remix hochlade, werden dann schon die vielleicht verfremdeten Samples und Snippets als geschützt erkannt, blockiert und eine weitere Kulturform hört auf zu existieren? Wir wollen in einer Gesellschaft leben, die anerkennt, dass nichts im leeren Raum entsteht und wir uns alle gegenseitig inspirieren. Klare Trennlinien zu ziehen ist unmöglich, beschneidet Freiheiten und hält uns als Gesellschaft zurück da Kreativität untergraben wird.

Ja, die Verwendung von eigentlich urheberrechtlich geschütztem Material könnte sogar geduldet oder erlaubt bzw. erwünscht sein! In dem Fall kann nach Einführung der Uploadfilter der Urheber vermeintlich nicht mehr darüber entscheiden. Es wird auf Nummer sicher alles gefiltert werden. Bloß nicht eine Klage als Plattformbetreiber riskieren.

Aber auch abseits der Mainstream-Kultur hätten Uploadfilter Folgen. Je nachdem wären zum Beispiel Memes nicht hochladbar. Unsere liebste Prokrastinationsbeschäftigung wäre passé.

Insbesondere sollte man sich vor Augen führen, dass der Mensch nie etwas komplett aus dem nichts erschafft. Es geht immer um das Interpretieren und Verarbeiten von vorhandenen Informationen, welche unser Gehirn, in einer unglaublichen Leistung, welche uns wohl am meisten von den anderen Tieren unterscheidet, prädiktiv und kreativ verarbeitet. Die Innovation und jede Idee von Morgen bezieht sich auf die Gedanken und Errungenschaften von heute. Dabei entsteht eben neue Kunst, neue Ideen und neue Meilensteine, die aber eben nie ganz neu sind und immer einen Teil der Inspirationsquellen beinhaltet. Die Technik ist noch nicht so weit diese Interpretationsschritte nachzuvollziehen. Warum sollten wir unsere kreativen Triebe dann solcher “künstlichen Dummheit” in Form von Uploadfiltern unterwerfen?

Und wer soll diese Filter betreiben? Am Ende verschieben wir nur noch mehr Monopol an Google, Facebook, Instagram. Somit baut man nur noch mehr Hürden für kleine Plattformen und zukünftigen Innovationen! Wer Nippel zensiert aber an Hate-Speech scheitert darf nicht über unsere kreative Zukunft verfügen.

Eine staatliche Uploadfilter-Alternative wäre eventuell sogar noch dystopischer. Man stelle sich vor Russland, die USA oder eines unserer EU-Nachbarländer wäre - Artikel 13 jetzt mal beiseitegelassen - auf die Idee gekommen, ein Gesetz zu verabschieden, dass Internetinhalte in diesem Land filtert. Wir hätten und haben in der Vergangenheit bei solchen Fällen zurecht die Zensur und Einschränkung der Meinungsfreiheit schärfstens kritisiert.

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